In der Bilanzaufstellung einer Kapitalgesellschaft ist der Bilanzverlust ein wesentlicher Teil, wenn sich ein Jahresfehlbetrag ergibt. Ist letzterer nicht durch Gewinnrücklagen auszugleichen, wird der Bilanzverlust in der Bilanzierung ausgewiesen.

Was ist ein Bilanzverlust?

Ein Bilanzverlust ist eine Position, die auf der Passivseite einer Bilanz ausgewiesen werden muss. Dies ist im § 266 Absatz 3 Handelsgesetzbuch (HGB) definiert. Ein Bilanzverlust ist nicht das Ergebnis eines buchhalterischen Vorgangs. Der Bilanzverlust wird nicht gebucht. Er ergibt sich, wenn der Jahresfehlbetrag einer Kapitalgesellschaft (GmbH oder AG) nicht durch einen Gewinnvortrag oder bereits bestehende Rücklagen gedeckt werden kann. Stellt die GmbH eine Bilanz auf, bei der das im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Ergebnis berücksichtigt wurde, tritt an die Stelle des Jahresfehlbetrages der Bilanzverlust.

Bilanzgewinn und Bilanzverlust

Ein Bilanzgewinn ist das Gegenteil von einem Bilanzverlust. Auch der Bilanzgewinn spielt bei dem Jahresabschluss einer GmbH eine Rolle, wenn die Aufstellung nach der teilweisen Verwendung des Ergebnisses erfolgt ist. Handelsrechtlich ist diese Möglichkeit als Alternative zu der Bilanzaufstellung vor Ergebnisverwendung gegeben (§ 268 Absatz 1 HGB).

Wie werden Bilanzgewinn und Bilanzverlust ermittelt?

Die Ermittlung eines Bilanzgewinns oder eines Bilanzverlustes erfolgt in einer Überleitungsrechnung, die auf der auf der Bestimmung des § 158 Absatz 1 AktG (Aktiengesetz) basiert. Aus der Berechnung geht auch hervor, dass ein Bilanzverlust nicht identisch mit einem Jahresfehlbetrag ist. Die Ermittlung eines Bilanzgewinns oder eines Bilanzverlustes erfolgt durch die folgende Rechnung: 
 
Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag 
+ Gewinnvortrag aus Vorjahren 
– Verlustvortrag aus Vorjahren 
+ Entnahmen aus der Kapitalrücklage 
+ Entnahme aus Gewinnrücklagen 
– Einstellung in die Gewinnrücklagen 
= Bilanzgewinn/ Bilanzverlust 

Was passiert mit dem Bilanzverlust einer GmbH?

Ein Bilanzverlust kann mit Zustimmung des Finanzamtes in ein zurückliegendes Geschäftsjahr zurückgetragen werden. Lehnt das Finanzamt einen Verlustrücktrag ab, muss dieser als Verlustvortrag in der Bilanz (bzw. in der GuV-Rechnung) des folgenden Geschäftsjahres berücksichtigt werden. Dieses Vorgehen ist laut dem HGB nur bei einer Kapitalgesellschaft möglich. Für Personenhandelsgesellschaften (z.B. OHG oder KG) schreibt das Gesetz vor, die Verluste mit den Kapitalanteilen der Gesellschafter zu verrechnen. 

Welches Konto wird für den Bilanzverlust verwendet? 

 Für die buchhalterische Abwicklung wird das Konto »Verlustvortrag vor Verwendung« angesprochen. Im SKR 03 wird dafür das Konto 0868 bebucht. Der SKR 04 hat für den Verlustvortrag das Konto 02978 vorgesehen. Die Buchung des Verlustvortrages erfolgt im Soll. Das Gegenkonto stellt der Saldenvortrag für Sachkonten dar. Dieses ist im SKR 03 und im SKR 04 das Konto 9000. Angenommen der Verlustvortrag beträgt 50.000 Euro. Dann lautet die Buchung wie folgt:  
 
0868/02978 (50.000 Euro) an 9000 (50.000 Euro)  

Welche Auswirkungen hat ein Bilanzverlust?

 
Der Ausweis eines Bilanzverlustes hat für das Unternehmen eine negative Signalwirkung. Die zuständigen Organe der Gesellschaft – bei der AG die Hauptversammlung, bei der GmbH die Gesellschafterversammlung – kann bei einem ausgewiesenen Bilanzverlust keine Beschlüsse über die Verwendung des Ergebnisses fassen, da keine finanziellen Mittel für eine Gewinnausschüttung vorhanden sind. Es besteht eine Ausschüttungssperre, was von dem Gesellschafter einer GmbH eher kritisch bewertet wird.  
 
Eine GmbH, die nach dem HGB dazu verpflichtet ist, ihren Jahresabschluss offenzulegen, hat ein starkes Interesse, den Ausweis eines Bilanzverlustes zu vermeiden. In der Öffentlichkeit kann dies als Anzeichen für eine wirtschaftliche Schieflage der Gesellschaft gewertet werden. 
 
Insolvenztechnisch stellt ein Bilanzverlust aber noch keine bedrohliche Lage für das betroffene Unternehmen dar. Den Investoren von Start-ups kommt die Aufgabe zu, einen Bilanzverlust durch Einlagen wieder auszugleichen. Dies ist wichtig, damit die langfristige Liquidität des Unternehmens gesichert ist. Neben den Investoren müssen auch die Anteilseigner daran interessiert sein, einen Bilanzverlust in der Bilanzanalyse langfristig wieder auszugleichen. Dies geschieht neben dem Ausgleich durch höhere Umsätze auch durch die Bildung von Rücklagen

Fazit

Der Bilanzverlust ist nicht das Ergebnis eines buchhalterischen Vorgangs. Er entsteht vielmehr, wenn der Jahresfehlbetrag des laufenden Jahres nicht durch einen Gewinnvortrag oder Gewinnrücklagen aus Vorjahren abgedeckt werden kann.  
 
Weil der Bilanzverlust nicht aus den Geschäftsvorfällen des abgelaufenen Geschäftsvorfällen hervorgeht, stimmt er auch nicht mit dem tatsächlichen Ergebnis überein. Ein ermittelter Jahresfehlbetrag bildet aber die Ausgangsbasis für den Bilanzverlust. 
 
Der Bilanzverlust ist kein Kriterium für die Insolvenzreife einer GmbH. Dennoch müssen Anteilseigner und Investoren dafür Sorge tragen, dass ein Bilanzverlust möglichst schnell wieder ausgeglichen wird, weil sonst eine dauerhafte Liquidität der GmbH nicht sichergestellt werden kann.